GenerationenWohnen

Altbewährtes neu entdecken

Hintergrund des Wohnmodells

Demographie der Quartiere ändert sich
In den meisten herkömmlichen Quartieren wohnen anfänglich verschiedene Generationen zusammen und bilden im Idealfall ein tragendes, soziales Netz. Im Laufe der Zeit verändert sich aber nicht selten die Struktur der Quartiere, das heisst, die Durchmischung nimmt ab oder verschwindet ganz, das Quartier „überaltert“ zum Beispiel. Die Möglichkeiten, Gegensteuer zu geben, fehlen in der Regel.
Dazu kommt eine wichtige, demographische Entwicklung, nämlich die zunehmende Zahl älter werdender  Menschen, welche heute noch eine Lebensphase von zwanzig und mehr Jahren vor sich haben, und das bei relativ guter Gesundheit. In Muri beläuft sich der Anteil der über 65-jährigen auf rund 22%, was den schweizerischen Durchschnitt um circa 6% übersteigt.


Wie möchte man im Alter wohnen?
Die erwähnten, herkömmlichen Quartiere sind oft bezüglich der Aussen- und der Innenräume (Erreichbarkeit, Zugänge, Treppenhäuser, Wohnungen) nicht auf Menschen mit altersbedingten Einschränkungen eingestellt. Sie sind, kurz gesagt, nicht oder nur beschränkt altersgerecht, also für einen Verbleib im Alter ungeeignet. Ihre Lage in Bezug auf das Angebot an Läden, Einrichtungen, öffentlichen Verkehr  etc. lässt auch häufig zu wünschen übrig.
In der Gemeinde Muri, aber auch schweiz- und europaweit, wurde durch Umfragen und Studien ein Bedarf an altersgerechten Wohnformen ausgemacht, welche autonomes, möglichst lebenslanges Wohnen bei zahlbaren Preisen ermöglichen.


Und die junge Generation?

Aus den Bevölkerungsforen zum Start der Ortsplanungsrevision kam zusätzlich die klare Forderung nach familiengerechtem, zahlbarem Wohnraum in Muri-Gümligen.  
Es ist ohne Zweifel im Interesse unserer Gemeinde, diese Generation nicht wegen überhöhter Mietpreisen einfach abwandern zu lassen. 


 „GenerationenWohnen Toracher Muri“ als Antwort
Dieses Wohnmodell versucht, auf die erwähnten Probleme und Bedürfnisse eine generationenübergreifende Antwort zu geben:
Die gemeindeeigene Parzelle Toracher bietet sich als optimale Lösung an. Sie ist zentral gelegen, in Gehdistanz zum Angebot für den täglichen Bedarf und zum öffentlichen Verkehr. Die Gemeinde ist zudem bereit, einen moderaten Baurechtszins zu verlangen, was sich vorteilhaft auf den Mietzins niederschlägt.
Bei der Toracherwiese wird zudem weder eine Landwirtschafts- noch eine Grünzone neu eingezont, sondern lediglich eine bestehende Bauzone für öffentliche Nutzung für das Wohnmodell umgezont.
Dem Bauernhaus kann durch seine Funktion als Informations-, Beratungs-, Begegnungs- und kulturellem Zentrum das langfristige Überleben gesichert werden. Für die Planung eines sanften Umbaus stand die Kantonale Denkmalpflege beratend zur Seite. Dem zu diesem geschützten Objekt gehörenden Umschwung wird im Projekt ebenfalls Sorge getragen. Der Bauerngarten und die „Hostet“ mit ihren Hochstämmern werden erhalten.

Die Genossenschaft als Garantin des Modells
Das tragende, soziale Netz wird durch die genossenschaftliche Struktur gebildet und gelebt und die Generationendurchmischung durch das Angebot an hindernisfreiem Wohnraum für ältere Einzelpersonen, über ältere Paare bis zu Familien mit Kindern, in 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen, sichergestellt. Für die längerfristige, generationenübergreifende Durchmischung bei der Vermietung ist die Trägerschaft, sprich Genossenschaft, verantwortlich. Sie ist auch für den Betrieb der Siedlung und des Siedlungs-Zentrums, also des ehemaligen Bauernhauses, zuständig. Mit den Koordinationsaufgaben (Dienstleistungen, Vermietung Räumlichkeiten u.a.) wird eine von der Trägerschaft einzustellende Person betraut.
Zweck und Ziel der Genossenschaft sind in den Statuten wie folgt formuliert:


Art. 2

Die Genossenschaft bezweckt die Vermietung von finanziell tragbarem Wohnraum an ihre Mitglieder, unter Ausschluss jeder spekulativen Absicht. Die Genossenschaft strebt nicht nach Gewinn. Die Vermietung erfolgt auf der Basis der Kostenmiete.
Ziel ist
die Schaffung eines generationenübergreifenden Netzes für ein Zusammenleben in der Siedlung, unter Nutzung der persönlichen Ressourcen und in gemeinsamer Selbsthilfe;
der Aufbau eines informellen und eines formellen Netzes von Hilfe- und Dienstleistungen zur Stärkung des sozialen Zusammenhaltes;
die Erhaltung einer grösstmöglichen  Autonomie auch im Alter, nach Bedarf bei Nutzung von spezifischen Dienstleistungen, welche erbracht werden durch Fachstellen, Fachpersonen und/oder Freiwillige.